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Gefragt nach dem Projekt, auf das das Haus besonders stolz ist, antwortet es nicht mit einer Anlage oder einer Zahl, sondern mit einem Kreislauf.
Sämtliche organischen Abfälle werden gesammelt und aufbereitet – über eine Biomüll-Maschine des Systems Redorganic. Was dabei entsteht, ist kein Entsorgungsgut, sondern Dünger: der eigene organische Dünger für den eigenen Küchengarten.
Und weil der Garten gar nicht alles aufnehmen kann, geht der Überschuss weiter. Der Landschaftsgärtner des Hauses verwendet ihn bei seinen übrigen Kundschaften.
Damit läuft in Vosne-Romanée etwas, das viele Häuser als Ziel formulieren und wenige erreichen: Küchenreste werden zu Erde, Erde zu Gemüse, Gemüse zum Menü – und was übrig bleibt, verlässt das Grundstück nicht als Abfall, sondern als Nährstoff für andere Gärten in der Umgebung.
Gewässert wird der Garten über einen eigenen Brunnen. Kein Trinkwasser aus dem Netz für die Salatreihen.
Der Küchenchef wählt täglich aus, was der Garten hergibt. Den Rest liefert die Nachbarschaft – und zwar zu einem Anteil, den das Haus selbst beziffert: 60 bis 70 Prozent aller Produkte sind regional oder stammen direkt aus dem eigenen Potager.
Hinter dieser Zahl stehen Namen, die man in der Côte-d'Or kennt:
Der Senf kommt von der Moutarderie Edmond Fallot, einer der letzten Senfmühlen Burgunds, die noch mit Mühlsteinen arbeitet. Das Fleisch liefert die Boucherie La Petite Louisette, Gemüse kommt zusätzlich vom Potager des Ducs. Charcuterie stammt vom Saloir de Saint Remy, Schnecken von L'Escargot Dijonnais – Weinbergschnecken gehören in Burgund zur Küche wie der Pinot Noir zum Glas. Und für den Abschluss sorgt die Liquoristerie Joannet.
Es ist eine Liste, die man an einem Tag abfahren könnte. Und eine, die erklärt, warum das Menü im Richebourg nach dieser Region schmeckt und nicht nach einem Katalog.
Geheizt und gekühlt wird das Haus über eine Wärmepumpe – reversibel, also dieselbe Anlage für beide Jahreshälften. In einer Region mit kalten Wintern und zunehmend heissen Sommern ist das die Entscheidung, die am meisten bewegt.
Beim Wasser arbeitet das Haus im Detail: Strahlregler an den Armaturen, wassersparende Duschköpfe in den Bädern. Nichts, was ein Gast bemerkt – und genau deshalb wirksam, weil es nicht von gutem Willen abhängt.
Beim Abfall kommt zur Trennung ein Punkt, an dem viele Hotels scheitern: Auch die Kaffeekapseln werden dem Recycling zugeführt.
Vor dem Haus stehen Ladestationen – für Autos und für Fahrräder. Erreichbar ist das Hotel ausserdem mit dem Bus.
Die Massnahme, die am wenigsten sichtbar ist, sagt am meisten über die Haltung des Hauses.
Die Reinigung des vineaSpa übernimmt nicht ein anonymer Dienstleister, sondern die AGEF – eine Einrichtung, die Menschen mit Behinderung beschäftigt. Eine bewusste Auftragsvergabe, jede Woche neu, ohne dass es auf der Website stünde.
Solche Entscheidungen kosten in der Regel mehr Organisation als der einfache Weg. Dass sie trotzdem getroffen werden, ist der eigentliche Beleg.
Auf die Frage nach Zertifizierungen antwortet das Richebourg mit einem klaren Nein. Kein Label, kein Siegel, keine Plakette am Eingang.
Man könnte das als Lücke lesen. Man kann es auch anders lesen: Hier arbeitet ein Haus an einem geschlossenen Kreislauf, beziffert seinen Regionalanteil auf 60 bis 70 Prozent, nennt seine Lieferanten mit Namen, vergibt die Spa-Reinigung an eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung – und hat nichts davon zertifizieren lassen.
Zwischen Weinbergen, deren Parzellen einzeln Weltruhm besitzen, ist das eine unauffällige Art, Verantwortung zu übernehmen. Der Garten hinter dem Haus weiss davon. Und im Herbst weiss es auch der Nachbarsgarten, in dem der Überschuss des Düngers landet.
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